SA−VA, PPI−TCL, cPPI, ΔHA & differenzielles Entrainment
Die fünf Messgrößen nach gültigem Entrainment — Definitionen, klassische Orientierungswerte und ihre Grenzen.
17 Min. Lesezeit
Lernziele
- Ich kann SA−VA korrekt bilden und begründen, warum beide Klammern an derselben atrialen Ableitung enden müssen.
- Ich kann die PPI-Klammer am richtigen Signal beenden und PPI−TCL berechnen.
- Ich kann das korrigierte PPI nach der AH-Formel bestimmen und sagen, was dabei abgezogen wird und was nicht.
- Ich kann ΔHA und das differenzielle Entrainment anwenden und ihre dokumentierten Grenzen benennen.
Nach einem gültigen ventrikulären Entrainment lassen sich fünf Zahlen bilden. Jede misst etwas anderes, jede hat eine eigene Messkonvention — und jede verliert ihre Aussagekraft, wenn die Referenzen zwischen den beiden Klammern wechseln.
1. SA−VA: elektrischer Abstand zum Vorhof
SA ist der letzte Stimulus bis zum letzten entrainierten A. VA ist der QRS-Beginn bis zu demselben A in der nativen Tachykardie. Die Differenz schätzt, wie viel zusätzliche Leitungszeit der Stimulationsort zum Kreis kostet.
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Orientierung: Die klassische Schwelle von 85 ms stammt aus RV-/HRA-Messungen bei atypischer AVNRT gegenüber septaler AVRT. Die hier gezeigte CS-Adaption ist ein Lehrbeispiel, keine eigene Grenzwertvalidierung.
Harte Messregel: Beide Klammern enden am A-Beginn derselben Ableitung. Wer für das native VA das schönste A sucht und für SA ein anderes, misst nichts Sinnvolles.
2. PPI−TCL: Rückweg zum Stimulationsort
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Drei Punkte, an denen in der Praxis am häufigsten falsch gemessen wird:
| Fehler | Richtig |
|---|---|
| Klammer endet am CS-A | Klammer endet am lokalen Signal am Stimulationsort |
| Klammer endet am QRS-Beginn | der Oberflächen-QRS ist eine andere Referenz als das lokale V |
| PCL wird abgezogen | abgezogen wird die native TCL |
Das unmittelbar auf den letzten Stimulus folgende lokale V (Vp) ist noch direkte Capture — der Endpunkt ist das erste nicht stimulierte lokale V (Vr).
RV-apikale Orientierung: PPI−TCL um 115 ms. Ein längerer Wert ist allein kein AVNRT-Beweis — genau deshalb gibt es die AH-Korrektur.
3. cPPI: die AH-Korrektur
Ein langes PPI kann schlicht daran liegen, dass der Rückkehrschlag zusätzliche antegrade AV-Knoten-Verzögerung erfahren hat. Diese Verzögerung gehört nicht zum Abstand des Stimulationsortes vom Kreis.
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c(PPI−TCL) = PPI − TCL − ΔAH, mit ΔAH = AH post − AH SVT
Im Beispiel: 530 − 400 − (280 − 220) = 70 ms. Roh waren es 130 ms.
Klassische Orientierung: korrigiert < 110 ms spricht für AVRT, > 110 ms für AVNRT.
Abgezogen wird nur die zusätzliche AH-Verzögerung. Retrogrades Bahndekrement und andere Leitungsverzögerungen bleiben im Wert enthalten — die Korrektur macht das PPI nicht „sauber", sondern nur um einen bekannten Störfaktor ärmer.
4. ΔHA: ergänzendes Kriterium
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ΔHA = HA Entrainment − HA SVT
In der von Ho 2008 untersuchten Kohorte war ΔHA bei AVNRT positiv und bei AVRT negativ. Nicht auswertbar ist das Kriterium, wenn das retrograde H verborgen ist oder fehlt. Nahe 0, bei Dekrement, bei direktem His-Capture oder bei Long-RP-Tachykardien sollte nicht allein nach dem Vorzeichen entschieden werden.
5. Differenzielles Entrainment: Basis minus Apex
Statt eine absolute Zahl gegen eine Schwelle zu halten, vergleicht dieses Manöver zwei Stimulationsorte — RV-Apex und eine definierte RV-Basis — bei gleicher, ausreichend langsamer PCL.
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Segal-Schwellen (Basis minus Apex): Δ(SA−VA) > 20 ms und Δ(cPPI−TCL) > 30 ms stützen eine AVNRT. Bei AVRT unterscheiden sich Basis- und Apex-Werte typischerweise kaum (Δ < 20 bzw. < 30 ms), weil Basis und Apex bei freien Wandbahnen etwa gleich weit vom Kreis entfernt sind; bei septalen Bahnen kann die Basis näher liegen und die Differenz negativ werden.
Die Logik dahinter ist dieselbe wie beim PPI, nur relativ statt absolut: Der Vergleich zweier Orte am selben Patienten kommt ohne ortsunabhängigen Grenzwert aus.
Gemeinsame Fallstricke
| Fallstrick | Betrifft | Konsequenz |
|---|---|---|
| Kanalwechsel zwischen den Klammern | SA−VA, ΔHA | Differenz bedeutungslos |
| Klammer endet am falschen Signal | PPI | Wert systematisch falsch |
| PCL statt TCL abgezogen | PPI−TCL | Wert systematisch falsch |
| gesamtes AH statt ΔAH abgezogen | cPPI | Überkorrektur |
| direkter A-, His- oder Schenkel-Capture | alle | Manöver ungültig |
| keine SVT-Rückkehr | PPI, cPPI, differenzielles Entrainment | kein Endpunkt, keine Messung |
Mini-Quiz
1 / 4Natives VA 130 ms an CS 9–10, SA 270 ms an CS 9–10. Wie groß ist SA−VA und wie ist das einzuordnen?
Take-aways
- SA−VA braucht dieselbe atriale Referenz in beiden Klammern. Die klassische 85-ms-Orientierung stammt aus RV-/HRA-Messungen bei atypischer AVNRT gegen septale AVRT.
- Die PPI-Klammer endet am ersten nicht stimulierten lokalen Signal am Stimulationsort - nicht am CS-A und nicht am QRS-Beginn. Abgezogen wird die native TCL, nicht die PCL.
- c(PPI−TCL) = PPI − TCL − ΔAH. Es wird nur die zusätzliche AH-Verzögerung abgezogen; klassische Orientierung korrigiert unter 110 ms AVRT, über 110 ms AVNRT.
- ΔHA = HA Entrainment − HA SVT. In der Kohorte von Ho 2008 war ΔHA bei AVNRT positiv und bei AVRT negativ; nahe 0 oder bei Dekrement nicht allein nach Vorzeichen entscheiden.
- Differenzielles Entrainment vergleicht RV-Basis minus RV-Apex. Segal-Schwellen - Δ(SA−VA) über 20 ms und Δ(cPPI−TCL) über 30 ms stützen AVNRT.
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