Para-Hisian Pacing & atriale Manöver
Retrograde Leitung ohne SVT, VAI, AOP mit VA-Linking, A–H–A versus A–H–H–A und His-refraktäre APB.
17 Min. Lesezeit
Lernziele
- Ich kann Para-Hisian Pacing durchführen und eine nodale von einer extranodalen Antwort unterscheiden.
- Ich kann den ventrikuloatrialen Index aus RV-Apex und RV-Posterobasis bilden und einordnen.
- Ich kann VA-Linking nach atrialem Overdrive-Pacing prüfen, auch differenziell aus zwei Vorhoforten.
- Ich kann A–H–A von A–H–H–A abgrenzen und die Wirkung His-refraktärer atrialer Extrastimuli auf das aktuelle oder nächste His beschreiben.
Die bisher behandelten Manöver setzen eine laufende Tachykardie voraus. Dieses Kapitel sammelt die Manöver, die ohne SVT auskommen (Para-Hisian Pacing, Apex-versus-Basis) und die vom Vorhof aus arbeiten (AOP, atriale Extrastimuli).
Para-Hisian Pacing
Am selben Ort wird zweimal stimuliert: einmal mit His- und Ventrikel-Capture (schmaler QRS), dann nach Outputsenkung nur noch mit Ventrikel-Capture (breiter QRS). Verglichen werden SA, SH, HA und die gesamte atriale Sequenz.
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| Antwort | Muster |
|---|---|
| nodal | ΔSA ≈ ΔSH, HA und A-Sequenz unverändert |
| extranodal | SA und A-Sequenz gleich trotz späterem H |
| gemischt | die atriale Sequenz ändert sich |
Fallstricke: QRS-Verbreiterung allein beweist den His-Verlust nicht — es kann auch reine His-Capture oder direkte A-Capture vorliegen. Eine langsame oder entfernte Bahn kann maskiert sein. Und wie überall gilt: Ein Bahnnachweis beweist keine SVT-Beteiligung.
RV-Apex versus Posterobasis
Dasselbe Prinzip, anderer Hebel: Statt den His-Capture zu verändern, wird der Stimulationsort gewechselt. Liegt die retrograd leitende Struktur basal, verkürzt sich der Weg von basal aus.
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VAI = SA_Apex − SA_Posterobasis
≥ +10 ms favorisiert eine posteroseptale akzessorische Bahn; negative Werte sprechen für nodale Leitung. In der Originalserie trennten sich die Gruppen ohne Überlappung: nodal höchstens +5 ms, Bahnen ab +10 ms. Werte knapp unter +10 ms sind wegen der kleinen Serie dennoch vorsichtig zu beurteilen — eine eigene Vorsicht, kein Studienergebnis.
Die zugrunde liegende Studie war klein und posteroseptal fokussiert — es gibt keine universelle AP-Grenze. Und: Nicht mit dem differenziellen Entrainment verwechseln, das eine laufende SVT voraussetzt.
AOP und differenzielles VA-Linking
Beim atrialen Overdrive-Pacing wird mit 10–40 ms kürzerer Zykluslänge stimuliert und dann beobachtet, ob das Return-A zeitlich am Ventrikel hängt (Linking) oder einen eigenen Ursprung hat.
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| Variante | Messgröße | Orientierung |
|---|---|---|
| Einzel-AOP | VA_post gegen natives VA | innerhalb 10 ms unterstützt Linking |
| Differenziell (HRA + CS) | max(VA_post) − min(VA_post) | < 14 ms favorisiert AVNRT/AVRT, > 14 ms AT |
VA_post misst vom letzten getriebenen RV-EGM zum frühesten Return-A. Die Referenzen müssen zwischen den Versuchen konstant bleiben.
Fallstricke: Ein einzelnes Linking kann bei einer AT zufällig sein, und frühe VA-Schwankungen sind auch bei AVNRT möglich. Bei AH > PCL gehört das erste H/V nach dem Stopp gegebenenfalls noch zum vorherigen A.
A–H–A oder A–H–H–A?
Nach atrialem Overdrive einer A-auf-V-Tachykardie entscheidet die Reihenfolge nach dem letzten tatsächlich getriebenen His, ob der Reentry fortsetzt oder ein junktionaler Fokus neu startet.
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- A–H–A favorisiert eine typische AVNRT: Der letzte Impuls über die langsame Bahn kehrt über die schnelle zum Vorhof zurück.
- A–H–H–A favorisiert eine junktionale Tachykardie: Nach dem letzten getriebenen H startet der Fokus neu.
- Pseudo-AHHA entsteht, wenn AH länger als die PCL ist — dann gehört das H nach dem letzten Stimulus noch zum vorletzten A.
Nicht nur die Signale nach dem letzten Stimulus zählen; ihre Herkunft entscheidet. Eine JT mit dualer AV-Knoten-Physiologie kann AHA vortäuschen, eine AVNRT mit FP/SP-Doppelantwort und Wiederbeginn echtes AHHA zeigen.
Atriale Extrastimuli: aktuelles oder nächstes His?
Der letzte Hebel ist ein einzelner atrialer Extrastimulus (APB) — und die Frage, welchen His-Schlag er verändert.
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| Befund | Einordnung |
|---|---|
| HR-APB verzögert H1 (nächstes His) | starke Evidenz für AVNRT |
| früher APB zieht das unmittelbare H vor, SVT läuft weiter | JT-Muster |
| HR-APB ohne H-Reset | mit JT vereinbar; eine nicht erreichte AVNRT bleibt möglich — kein alleiniger JT-Beweis |
Das nächste His bei einem His-refraktären APB ist nicht dasselbe wie das unmittelbare His bei einem frühen APB. Eine duale FP/SP-Physiologie kann Vorziehen und Fortsetzung imitieren (theoretisch, in der Serie nie beobachtet). Beide Muster waren in der Originalserie zu 100 % spezifisch (Padanilam 2008): die Perturbation des nächsten His für AVNRT, das Vorziehen des unmittelbaren His mit fortlaufender SVT für JT. Eine Verzögerung oder Terminierung des nächsten His ist auch bei JT mit dualer Physiologie nicht zu erwarten; die H1-Verzögerung ist daher das robustere AVNRT-Zeichen. Für die Platzierung zählt die lokale septale A-Ankunft — der Stimulus kann wegen der Laufzeit deutlich davor liegen.
Mini-Quiz
1 / 4Bei Para-Hisian Pacing steigt SA nach Verlust des His-Capture von 140 auf 140 ms — also unverändert —, obwohl das H deutlich später kommt. Wie ist das einzuordnen?
Take-aways
- Para-Hisian Pacing vergleicht denselben Ort mit und ohne His-Capture. Nodal - ΔSA entspricht ΔSH bei gleichem HA. Extranodal - SA und A-Sequenz bleiben gleich, obwohl H später kommt.
- VAI = SA_Apex − SA_Posterobasis. Ein VAI ≥ +10 ms favorisiert eine posteroseptale Bahn (Martínez-Alday 1994, Bahn-Gruppe +10 bis +70 ms), negative Werte nodale Leitung. In der Originalserie lagen 0 und +5 ms nur bei nodaler Leitung und +10 ms nur bei Bahnen (keine Überlappung; n = 56). Werte knapp unter +10 ms sind wegen der kleinen Serie vorsichtig zu werten.
- VA-Linking - das Return-A hängt am Ventrikel, nicht am atrialen Ursprung. Differenziell aus HRA und CS - Streuung unter 14 ms favorisiert AVNRT/AVRT, über 14 ms AT.
- A–H–A favorisiert typische AVNRT, A–H–H–A junktionale Tachykardie. Bei AH über PCL kann ein H nach dem letzten Stimulus noch vom vorletzten A stammen.
- Verzögert ein His-refraktärer APB das nächste H, ist das starke Evidenz für AVNRT. Zieht ein früher APB das unmittelbare H vor und die SVT läuft weiter, passt das zur JT.
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