IVUS & OCT: Fragen und Grenzen
Modalitäten passend zur Fragestellung wählen und Stentexpansion, Apposition sowie Artefakte einordnen.
9 Min. Lesezeit
Lernziele
- Ich unterscheide die Fragen von Angiografie, Koronarphysiologie und intravaskulärer Bildgebung.
- Ich erkläre die wesentlichen Unterschiede zwischen IVUS und OCT.
- Ich trenne Stentunterexpansion von Malapposition und erkenne typische Grenzen der Auswertung.
Angiografie, Physiologie und Bildgebung beantworten unterschiedliche Fragen. Das PCI Manual ordnet IVUS und OCT vor der Intervention zur Charakterisierung einer Läsion und während beziehungsweise nach der PCI zur Planung und Ergebniskontrolle ein.
IVUS und OCT vergleichen
| Eigenschaft | IVUS | OCT |
|---|---|---|
| Energie | Ultraschall | Nahinfrarotes Licht |
| Stärke | Tiefere Beurteilung von Gefäßwand und Plaquelast; gut für große Gefäße geeignet | Feine Details an Lumenoberfläche, Stentstreben und Dissektionen |
| Blut im Messbereich | Blutverdrängung für die Bildgebung nicht grundsätzlich erforderlich | Ausreichende Blutverdrängung erforderlich, meist durch Kontrastspülung |
| Grenze | Schallschatten hinter Kalk; begrenzte Detailauflösung gegenüber OCT | Geringere Eindringtiefe und mögliche Abschattung; ostiale Aufnahmen können schwierig sein |
Die genaue Auflösung hängt vom System ab. Starre Gerätevergleiche aus älteren Videos sind deshalb nicht automatisch auf jede aktuelle Plattform übertragbar. Auch OCT kann Kalkdicke nur messen, wenn die relevanten Grenzen sichtbar sind.

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Vor dem Stent: eine konkrete Frage stellen
- Welche Plaquemorphologie liegt vor und ist eine gezielte Läsionsvorbereitung nötig?
- Wo liegen geeignete Referenzsegmente und Landungszonen?
- Welche Länge und welcher Durchmesser passen zur Anatomie und zum geplanten Vorgehen?
- Ist eine angiografisch unklare Struktur tatsächlich Plaque, Thrombus, Dissektion oder ein Artefakt?
Eine Flächenzahl ist kontextabhängig. Für Nicht-Hauptstammläsionen lässt sich aus einer einzelnen minimalen Lumenfläche keine universelle Ischämiegrenze ableiten. Auch am Hauptstamm sind Befund, Patientenkontext und gegebenenfalls ergänzende Physiologie gemeinsam zu bewerten. Absolute Schwellen aus dem Rohtranskript werden hier bewusst nicht als automatische Therapieindikation verwendet.
Nach dem Stent: Fläche, Anlage und Ränder
Unterexpansion bedeutet, dass die erreichte Stentdimension im Verhältnis zum gewählten Referenzkonzept unzureichend ist. Malapposition bezeichnet eine fehlende Anlage von Streben an der Gefäßwand. Beide Befunde sind auseinanderzuhalten.
Zusätzlich Stentränder, Gewebeprotrusion und mögliche intramurale Hämatome beurteilen. Ein kleiner, nur bildmorphologisch sichtbarer Befund erfordert nicht automatisch weitere Intervention; Ausmaß, Fluss, Ischämie und klinische Relevanz entscheiden mit.
Erst Aufnahmequalität, dann Interpretation
IVUS kann Ring-down-Artefakte oder bei rotierenden Systemen eine ungleichmäßige Rotation zeigen. Ein Schallschatten hinter Kalk ist kein Beweis für fehlendes Gewebe. Bei OCT können verbleibendes Blut oder Abschattung die Wand unsichtbar machen. Pullback und Referenzsegment müssen nachvollziehbar sein; ein einzelnes Querschnittsbild reicht selten zur vollständigen Beurteilung.
Mini-Quiz
1 / 2Was unterscheidet Stentunterexpansion von Malapposition?
Take-aways
- IVUS verwendet Ultraschall, OCT nahinfrarotes Licht.
- OCT bietet hohe Detailauflösung, benötigt aber Blutverdrängung und dringt weniger tief ein.
- Bildgebung unterstützt Planung und Ergebniskontrolle; sie ersetzt nicht automatisch eine funktionelle Messung.
Markiere die Lektion, wenn du sie durchgearbeitet hast – mit Konto auf allen Geräten.