STEMI, Äquivalente & Sgarbossa
Lokalisation, De-Winter, Wellens, Hauptstamm, Sgarbossa-Smith.
10 Min. Lesezeit
Lernziele
- Sie ordnen einen STEMI nach EKG-Lokalisation einem Versorgungsgebiet zu.
- Sie erkennen die wichtigsten STEMI-Äquivalente (De-Winter, Wellens, isolierter posteriorer MI, Hauptstamm).
- Sie wenden die Sgarbossa-Smith-Kriterien beim LSB / ventrikulären Schrittmacher korrekt an.
STEMI-Lokalisation und Gefäßzuordnung
| Lokalisation | Ableitungen | Wahrscheinliches Gefäß |
|---|---|---|
| Anteroseptal | V1–V3 | LAD proximal/septal |
| Anterior/anterolateral | V1–V6, I, aVL | LAD (proximaler bei I/aVL-Beteiligung) |
| Lateral hoch | I, aVL | RCX, Diagonalast (D1) |
| Inferior | II, III, aVF | RCA (~80–90 %), RCX (~10–20 %) |
| Posterior | V7–V9 (Hebung); V1–V3 (reziproke Senkung + hohes R) | RCX oder RCA (PDA) |
| Rechtsventrikulär | V3R/V4R | RCA proximal |
Tipp inferior: ST↑ III > II → eher RCA. ST↑ II ≥ III oder fehlende reziproke ST↓ in I/aVL → eher RCX.
STEMI-Äquivalente (ESC 2023 Klasse I — sofortige Reperfusion)
- De-Winter-T-Wellen: aszendierende ST-Senkung ≥1 mm präkordial mit hohen symmetrischen spitzen T-Wellen, oft kombiniert mit ST-Hebung in aVR. Stationäres Muster, kein Übergang in klassische ST-Hebung. Bedeutet: akuter proximaler LAD-Verschluss.
- Wellens-Syndrom: kritische LAD-Stenose, nicht akut verschlossen. Patient meist gerade schmerzfrei mit gerade abgelaufenem Schmerzepisode. Typ A (~25 %): biphasische T in V2/V3. Typ B (~75 %): tief symmetrisch invertierte T in V2–V4. Niemals Belastungs-EKG — frühzeitige Koronarangiographie.
- Isolierter posteriorer MI: ST-Senkung V1–V3 mit hohen R-Wellen (R/S >1) und aufrechten T → bestätigen mit V7–V9.
- aVR-Hebung ≥1 mm + diffuse ST-Senkungen in ≥6 Ableitungen → linker Hauptstamm bzw. 3-Gefäß-Ischämie.
Sgarbossa-Kriterien (LSB oder ventrikulärer Schrittmacherrhythmus)
| Kriterium | Original | Smith-modifiziert |
|---|---|---|
| Konkordante ST-Hebung ≥1 mm | 5 Punkte | positiv |
| Konkordante ST-Senkung ≥1 mm in V1–V3 | 3 Punkte | positiv |
| Diskordante ST-Hebung ≥5 mm | 2 Punkte | ersetzt durch ST/S-Ratio ≤−0,25 |
Original ≥3 Punkte: Spezifität 98 %, Sensitivität ~50 %. Smith-modifiziert (jedes Kriterium positiv): Sensitivität 91 %, Spezifität 90 % — heute bevorzugt. Anwendbar auch beim ventrikulär stimulierten Schrittmacher-EKG.
Merksatz: Wenn die ST-Hebung mindestens ein Viertel der vorausgehenden S-Wellen-Tiefe ausmacht — Katheterlabor.
Mini-Quiz
1 / 3Welche Konstellation bei einem inferioren STEMI spricht eher für einen RCA-Verschluss?
Take-aways
- Inferior: ST↑ III > II → eher RCA; ST↑ II ≥ III oder fehlende ST↓ in I/aVL → eher RCX.
- De-Winter und Wellens sind keine STEMI im klassischen Sinn — aber ESC 2023 Klasse-I-Indikation zur sofortigen primären Reperfusion.
- Smith-modifizierte Sgarbossa: ST/S-Ratio ≤−0,25 statt 5-mm-Regel; Sensitivität 91 %, Spezifität 90 %.
- aVR-Hebung ≥1 mm + diffuse ST-Senkungen ≥6 Ableitungen → linker Hauptstamm oder 3-Gefäß-Erkrankung.