Programmierte Stimulation: Sprung, ERP, Wenckebach, VA
AH-Sprung und Echo, AVNERP versus atriale Refraktärität, Wenckebach-Punkt, retrograde VA-Sequenz und Dekrement.
15 Min. Lesezeit
Lernziele
- Ich kann einen AH-Sprung definieren, im Protokoll erkennen und von einem einzelnen Echo abgrenzen.
- Ich kann AVNERP und atriale Refraktärität auseinanderhalten und sagen, wann die AVNERP gar nicht bestimmbar ist.
- Ich kann den AV-nodalen Wenckebach-Punkt bestimmen und einen distalen 2:1-Block davon abgrenzen.
- Ich kann eine retrograde VA-Sequenz als konzentrisch oder exzentrisch beschreiben und Dekrement durch Frequenzvergleich nachweisen.
Die programmierte Stimulation ist das Basisprotokoll jeder diagnostischen EP-Untersuchung. Sie beschreibt vier Eigenschaften des Leitungssystems: antegrade Leitung bei zunehmender Vorzeitigkeit, antegrade Leitung bei zunehmender Frequenz, die Refraktärzeiten und die retrograde Leitung. Keines dieser Ergebnisse ist für sich eine Diagnose.
Atriale Extrastimulation: AH-Sprung und Echo
Nach einer atrialen Grundserie (S1) wird ein Extrastimulus S2 schrittweise früher abgegeben. Gemessen werden A1–A2 (zwischen den atrialen Signalen, nicht zwischen den Stimuli) und AH vom ersten schnellen Ausschlag des A2 bis zum Beginn des H2 im His-Bündel-Elektrogramm.
Darstellung anpassen
Sprungkriterium: AH-Zunahme ≥ 50 ms bei um 10 ms kürzerem A1–A2.
Was der Sprung bedeutet — und was nicht:
- Er stützt duale AV-nodale Physiologie (schnelle und langsame Leitungsbahn).
- Ein fehlender Sprung schließt eine AVNRT nicht aus — kontinuierliche AV-Knoten-Kurven sind beschrieben.
- Ein Sprung allein beweist den Mechanismus der klinischen Tachykardie nicht.
- Ein einzelnes Echo ist eine zurückkehrende Erregung, keine Tachykardie. Erst fortlaufende Antworten ergeben eine SVT.
Capture-Latenz beachten. S1–S2 und A1–A2 sind nicht dasselbe. Zwischen Stimulus und atrialem Signal liegen Capture-Latenz und atriale Leitungszeit. Gemessen wird immer A1–A2.
AVNERP versus atriale Refraktärität
Dasselbe Protokoll, andere Frage: Blockiert S2 bereits im Vorhof oder erst zwischen A und His?
Darstellung anpassen
| Größe | Definition |
|---|---|
| AVNERP | längstes A1–A2 mit erfasstem A2, das nicht über den AV-Knoten zu H2 leitet |
| AERP | längstes S1–S2 ohne atriale Capture bei definierter Stimulationsstärke |
Lokalisation über die Signalfolge:
- A2 ohne H2 → Block proximal des registrierten His — hier AV-nodal.
- H2 ohne V2 → Block distal des His.
- S2 ohne A2 → der AV-Knoten wurde gar nicht getestet.
Fallstricke: Ein fehlendes A2 bei schlechtem Kontakt oder zu geringer Stimulationsstärke ist kein gesicherter Refraktärpunkt. Und wird die AERP zuerst erreicht, ist die AVNERP mit diesem Protokoll nicht exakt bestimmbar.
Inkrementelle atriale Stimulation: Wenckebach
Hier wird nicht die Vorzeitigkeit, sondern die Frequenz gesteigert: Die atriale Stimulationszykluslänge wird schrittweise verkürzt, bis die 1:1-Überleitung verloren geht.
Darstellung anpassen
AV-nodale Wenckebach-Zykluslänge = längste PCL, bei der unter schrittweiser Verkürzung eine nodale Wenckebach-Periodik auftritt: AH wird von Schlag zu Schlag länger, dann folgt ein A ohne H, und nach dem Ausfall ist AH wieder kürzer.
Der Wenckebach-Punkt beschreibt die Frequenzabhängigkeit der antegraden Leitung. Er sagt nichts über den Mechanismus einer induzierten SVT. Autonomer Zustand, Medikamente und eine laufende SVT verändern den Messwert.
Retrograde VA-Sequenz und Dekrement
Jetzt wird vom Ventrikel aus stimuliert — bei verschiedenen konstanten Zykluslängen, damit Dekrement überhaupt sichtbar werden kann. Registriert werden A am His, A im proximalen und A im distalen CS.
Darstellung anpassen
| Befund | Passt zu | Beweist nicht |
|---|---|---|
| konzentrisch mit Dekrement | AV-nodaler Leitung | Ausschluss einer Bahn — septale Bahnen können konzentrisch sein |
| exzentrisch, distales CS-A zuerst | linksseitigem Eintritt über eine Bahn | eine obligate Bahn im SVT-Kreis; auch atypische AVNRT kann exzentrisch aktivieren |
| konzentrisch ohne Dekrement | septaler Bahn oder schneller nodaler Leitung | Mechanismus der klinischen Tachykardie |
Damit der Frequenzvergleich gültig ist, müssen Stimulationsort und Capture konstant bleiben. Ein Capture-Wechsel oder eine atriale Fusion macht den Vergleich wertlos. Ob eine exzentrische Route dekremental leitet, erfordert einen eigenen Frequenzvergleich — es ergibt sich nicht aus der Sequenz.
Mini-Quiz
1 / 3Bei A1–A2 = 310 ms beträgt AH 120 ms. Bei A1–A2 = 300 ms beträgt AH 180 ms. Wie wird dieser Befund bezeichnet und was folgt daraus?
Take-aways
- AH-Sprung = AH-Zunahme ≥ 50 ms bei Verkürzung von A1–A2 um 10 ms. Er stützt duale AV-nodale Physiologie — mehr nicht.
- Ein einzelnes Echo ist eine zurückkehrende Erregung. Erst fortlaufende Antworten ergeben eine SVT.
- AVNERP = längstes A1–A2 mit erfasstem A2, das nicht zu H2 leitet. Wird die atriale Refraktärität zuerst erreicht, ist die AVNERP nicht exakt bestimmbar.
- A2 ohne H2 = Block proximal des registrierten His. H2 ohne V2 = Block distal des His. Ein fehlender QRS allein lokalisiert nichts.
- Konzentrische retrograde Aktivierung mit Dekrement passt zu AV-nodaler Leitung; ein frühes distales CS-A spricht für linksseitigen Eintritt, beweist aber keine obligate Bahn im Kreis.
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