KursKardio Beta

Angiografie: Qualität & Befund

Aufnahmequalität, Läsionsbeschreibung und Grenzen der Luminografie.

10 Min. Lesezeit

Lernziele

  • Ich prüfe die Aufnahmequalität vor der Läsionsbewertung.
  • Ich beschreibe Anatomie, Läsionen und Fluss getrennt.

Ein Befund ist nur so belastbar wie seine Aufnahme. Qualität zuerst, danach Gefäßverlauf, Läsion und Fluss beurteilen. Die folgenden Punkte verbinden das DGK-Manual mit den Lehrvideos 6.1 und 6.2 des PCI Manual.

Vor der Interpretation

Ist das Zielgefäß vollständig kontrastiert? Sind Ostium, distaler Verlauf und wichtige Abgänge erfasst? Liegen ausreichend unterschiedliche Projektionen vor, um Verkürzung, Überlagerung und exzentrische Läsionen zu erkennen?

Nicht beurteilbar ist ein zulässiger Befund. Ein nicht dargestelltes Segment darf nicht als unauffällig gelten.

Aufnahme und Überwachung gehören zusammen

Das PCI-Manual-Video 6.1 betont die Kontrolle von Druckkurve und EKG vor und nach der Aufnahme. Bei Druckdämpfung keine Kontrastinjektion gegen die unklare Katheterlage erzwingen: Ursache klären und Lage korrigieren. Katheterposition, Bildausschnitt und Abschirmung beeinflussen Sicherheit und Bildqualität. Eine mögliche Spasmuskomponente gehört in die Interpretation; Vasodilatation erfordert die Prüfung von Hämodynamik und Kontraindikationen.

Einen Befund systematisch aufbauen

BereichDokumentieren
AnatomieOstien, Hauptäste, Dominanz, Varianten und gegebenenfalls Bypassverläufe
LäsionGefäß und Segment, visuell geschätzte Durchmesserstenose, Länge, Bezug zu Ostium und Seitenast
MorphologieVerkalkung, Füllungsdefekt/Thrombusverdacht, Bifurkation, Tortuosität, Dissektion oder Aneurysma
FlussAntegrader Fluss und gegebenenfalls Kollateralen; akute Auffälligkeiten im klinischen Kontext
GrenzenNicht dargestellte Segmente, Überlagerung, unzureichende Kontrastierung, nicht geklärter Spasmus

Video 6.2 macht deutlich: Ein fehlender erwarteter Ast kann einen Verschluss anzeigen. Eine scheinbare Verengung kann dagegen durch Spasmus entstehen. Prozentuale Durchmesserstenose beschreibt das Lumen gegenüber einem Referenzsegment; sie ist keine direkte Messung von Ischämie oder Plaquelast.

Warum zwei Projektionen?

Eine exzentrische Läsion kann aus einer Richtung wenig auffallen und aus einer anderen deutlich enger wirken. Die Beurteilung benötigt geeignete Ansichten desselben Segments. Bei diffuser Erkrankung ist außerdem das vermeintlich normale Referenzsegment möglicherweise selbst erkrankt.

Bei intermediären oder unklaren Läsionen können je nach Fragestellung Koronarphysiologie und intravaskuläre Bildgebung ergänzen. Aus einer visuellen Prozentangabe allein folgt keine automatische PCI-Indikation. Symptome, Ischämienachweis, Akutsituation und Gesamtkontext gehören zur Entscheidung.

Verkürzung und Überlagerung im Simulator untersuchen →

Befundbeispiel ohne Scheingenauigkeit

„Rechtsdominanter Versorgungstyp. Fokale Läsion im mittleren LAD-Segment, in zwei geeigneten Projektionen beurteilt. Visuell intermediärer Stenosegrad. Distaler Verlauf vollständig kontrastiert. Funktionelle Relevanz angiografisch allein nicht gesichert.“

Dieses Beispiel ist didaktisch und beschreibt keinen Patienten.

Mini-Quiz

1 / 1

Eine mäßige Stenose erscheint nur in einer überlagerten Projektion. Was fehlt?

Take-aways

  • Unvollständig kontrastierte oder abgeschnittene Gefäße erlauben keinen sicheren Normalbefund.
  • Angiografischer Stenosegrad und funktionelle Bedeutung sind nicht gleichzusetzen.

Markiere die Lektion, wenn du sie durchgearbeitet hast – mit Konto auf allen Geräten.