Schallkopfhandling & parasternale Schnitte
Vier Bewegungen, PLAX/RV-In-Out/PSAX in vier Ebenen.
11 Min. Lesezeit
Lernziele
- Sie kennen die vier Grundbewegungen des Schallkopfs (Kippen, Rotieren, Schwenken, Anpressen) plus das „heel-toe"-Manöver.
- Sie loten den parasternalen Längsschnitt (PLAX) systematisch an und führen die Standard-Messungen durch.
- Sie erkennen die vier PSAX-Ebenen und gehen sie systematisch ab.
- Sie kennen die typischen Pitfalls (schräge Anlotung, Off-axis, ICR-Falschwahl).
Vier Bewegungen — die Basis von allem
Die Markierung am Schallkopf entspricht der Bildschirm-Markierung (in der Cardiac/ASE-Konvention rechts oben). Im PLAX zeigt der Marker zur rechten Schulter, im A4C nach links zum Patienten, im subkostalen 4-K zur linken Schulter, im suprasternal-Längsschnitt leicht nach links/kranial.
Die vier Grundbewegungen:
- Kippen (Tilt) — Schallkopf bleibt am Punkt, Strahlebene neigt sich.
- Rotieren — Drehung um die Längsachse (PLAX→PSAX 90°, A4C→A2C ca. 60° gegen den Uhrzeigersinn, A2C→A3C nochmals 60°).
- Schwenken/Sliden — Schallkopf wandert über die Haut (z. B. ICR-Wechsel).
- Anpressen — Druck nach unten gegen das Gewebe.
Hinzu kommt das Rocking („heel-toe"): Wippen längs zur Indikatorebene, das wichtigste Manöver gegen Foreshortening.
Vier akustische Fenster decken den Standard-Datensatz ab: parasternal (3.–4. ICR links), apikal (Spitzenstoß, meist 5. ICR MCL, bei dilatiertem LV weiter lateral), subkostal (subxiphoidal, flach gehalten) und suprasternal (Jugulum).
Parasternale lange Achse (PLAX)
Schallkopf 3.–4. ICR links parasternal, Marker zur rechten Schulter. Du siehst LV (Septum + Inferolateralwand), LVOT, Aortenklappe (RCC oben, NCC unten), proximale Aorta ascendens, LA, Mitralklappe (AML, PML) und RVOT oben im Bild.
Standardmessungen:
- Auf Höhe der Mitralklappenspitzen senkrecht zur LV-Längsachse: IVSd, LVPWd, LVEDD, LVESD (2D-geführter M-Mode oder direkt 2D, Endokard-zu-Endokard).
- Aortenwurzel-Zoom: Anulus mid-systolisch, inner-edge-to-inner-edge; Sinus Valsalvae, sinotubulärer Übergang und Aorta ascendens enddiastolisch, leading-edge-to-leading-edge (Lang 2015).
- Color über AoV (AI) und MK (MI), CW über AI für PHT.
Pitfall: Schräge Anlotung überschätzt Wanddicken; zu kraniale ICR-Position lässt die Aortenwurzel „off-axis" zu klein wirken.
RV-Inflow und RV-Outflow
Aus dem PLAX nach inferior-medial kippen (Richtung rechte Hüfte) → RV-Inflow mit RA, TK, RV-Einlass, Eustachischer Klappe, Koronarsinus. Hier holst du die TR-Vmax mit dem CW (oft besser als im A4C).
Aus dem PLAX nach superior-lateral kippen (Richtung linke Schulter) → RV-Outflow mit RVOT, Pulmonalklappe, PA-Stamm. Die PV-Akzelerationszeit (AcT) <80 ms ist ein robuster Marker für pulmonale Hypertonie.
Parasternale kurze Achse (PSAX) — vier Ebenen
Aus dem PLAX 90° im Uhrzeigersinn rotieren (Marker zur linken Schulter, ca. 1–2 Uhr) und durch Kippen vier Ebenen abfahren:
- AoV-Ebene: AK-Morphologie (trikuspid, bikuspid — Sievers-Klassifikation 0/1/2 nach Anzahl der Raphes), RVOT, PV, TK, IAS (PFO/ASD-Suche).
- MK-Ebene („Fischmaul"): Identifikation der Segmente A1/A2/A3 und P1/P2/P3, planimetrische MVA bei Mitralstenose in der Diastole.
- Papillarmuskel-Ebene: regionale Wandbewegung in 6 Segmenten, FAC, D-Shape des Septums (systolisch = RV-Druck-, diastolisch = RV-Volumenbelastung).
- Apex-Ebene: apikale Wandbewegung, apikaler Thrombus, apikale HCM.
Mini-Quiz
1 / 3Wohin zeigt der Schallkopf-Marker im PLAX?
Take-aways
- Vier Bewegungen + heel-toe — das wichtigste Manöver gegen Foreshortening.
- PLAX-Marker zur rechten Schulter: misst IVSd, LVPWd, LVEDD, LVESD auf Höhe der MK-Spitzen.
- Aortenwurzel-Zoom: Anulus mid-systolisch inner-edge-to-inner-edge; Sinus, STJ, Aorta ascendens enddiastolisch leading-edge-to-leading-edge.
- PSAX vier Ebenen: AoV, MK (Fischmaul), Papillarmuskel (D-Shape, FAC), Apex.