Koronarphysiologie: FFR, iFR & Messqualität
Druckindizes verstehen, Abgleich und Drift prüfen, fokalen von diffusem Druckverlust unterscheiden.
10 Min. Lesezeit
Lernziele
- Ich unterscheide FFR von nicht hyperämischen Druckindizes.
- Ich prüfe Druckabgleich, Signalqualität und Drift vor der Interpretation.
- Ich unterscheide einen fokalen Druckverlust von diffuser Erkrankung im Pullback.
Angiografie beschreibt die Form des kontrastierten Lumens. Koronarphysiologie fragt nach dem funktionellen Druckverlust. Bei intermediären Stenosen im chronischen Koronarsyndrom empfiehlt die ESC-Leitlinie die funktionelle Bewertung mittels FFR oder iFR vor einer Revaskularisationsentscheidung.
Zwei Messbedingungen auseinanderhalten
| Index | Messprinzip | Häufig verwendete Entscheidungsgrenze |
|---|---|---|
| FFR | Mittlerer distaler Koronardruck Pd im Verhältnis zum aortalen Druck Pa während maximaler stabiler Hyperämie | ≤ 0,80 |
| iFR | Distales/proximales Druckverhältnis in einer definierten diastolischen Ruhephase ohne induzierte Hyperämie | ≤ 0,89 |
Andere Ruheindizes verwenden andere Auswertefenster. Ihre Namen, Algorithmen und Grenzwerte dürfen nicht ungeprüft vertauscht werden. Die Entscheidung umfasst zusätzlich Symptome, Anatomie, klinische Situation und Qualität der Messung; ein Grenzwert ist kein automatischer Stentauftrag.

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Qualität vor Zahl
Das Lehrvideo 12.1 zeigt mehrere Fehlerquellen, die eine scheinbar präzise Zahl unbrauchbar machen können:
- Abgleich: Die Drucksignale am geeigneten Referenzort angleichen. Drucksystem und Verbindungen müssen korrekt vorbereitet sein.
- Katheterdruck: Eine gedämpfte oder ventrikularisierte Pa-Kurve verfälscht das Verhältnis. Katheterlage und Signalform vor der Messung prüfen.
- Distales Signal: Sensorposition, Artefakte und stabile Messbedingungen kontrollieren. Bei FFR muss die Hyperämie ausreichend und stabil sein.
- Drift: Nach der Messung den Referenzvergleich wiederholen. Ein relevanter Offset verlangt Korrektur und gegebenenfalls eine erneute Messung.
Die Einführungshilfe im hämostatischen Ventil kann bei offenem System den Druckabgleich stören. Gerätespezifische Vorbereitung und Herstelleranleitung beachten; die Abfolge nicht durch einen isolierten Blick auf die angezeigte Zahl ersetzen.
Pullback: Wo entsteht der Druckverlust?
Ein distaler Index beschreibt die Belastung des untersuchten Gefäßabschnitts insgesamt. Im Rückzug lässt sich prüfen, ob der Druckverlust fokal, an mehreren Stellen oder über einen längeren Verlauf verteilt auftritt.
Ein umschriebener Drucksprung kann eine behandelbare Zielregion lokalisieren. Ein allmählicher Verlauf spricht eher für diffuse Erkrankung. Ein niedriger Endwert allein sagt deshalb nicht, welcher Abschnitt gestentet werden sollte. Bei seriellen Läsionen beeinflussen sich die Druckverluste gegenseitig.
Grenzen im klinischen Kontext
Akute Infarktsituation, veränderte Mikrozirkulation, Hauptstamm mit nachgeschalteten Läsionen und Kollateralversorgung erfordern besondere Interpretation. Ein unauffälliger epikardialer Druckindex schließt mikrovaskuläre Dysfunktion oder Vasospasmus nicht aus. Diese Fragestellungen benötigen eigene Untersuchungsprotokolle.
Fall zum Weiterdenken
PCI Manual, Fall 71: mehrere Läsionen und funktionelle Auswahl. Laut Fallbeschreibung veränderte die Physiologie die Auswahl der Zielgefäße. Frage beim Ansehen: Welche Läsion ist angiografisch auffällig, welche funktionell relevant?
Videoquelle und Vertiefung
- Persönliche Videosammlung:
PCI-Grundlagen/12.1 Manual of PCI - Coronary physiology.mp4, 01:03–03:26 (Indexprinzipien), 05:42–08:57 (Abgleich und Signale), 11:04–13:46 (Pullback und Drift). Automatisch erzeugte Zeitmarken sind ungefähr; im Rohtranskript werden FFR und iFR mehrfach verwechselt. - ESC-Leitlinie Chronische Koronarsyndrome 2024.
- EAPCI-Konsensus: Applied coronary physiology for planning and guidance of PCI, 2023.
- Quantification of the Effect of Pressure Wire Drift, 2016.
Eigenständige Zusammenfassung mit fachlichem Quellenabgleich; ärztliches Review steht aus. Medikamentendosen aus der automatischen Transkription wurden nicht übernommen.
Fallhinweis anhand der PCI Manual Case Library, abgerufen am 31.10.2026. Die Fallbeschreibung ist eine Orientierung zum Video, kein eigenständig nachgeprüfter vollständiger Fallbericht.
Mini-Quiz
1 / 2Unter maximaler stabiler Hyperämie betragen Pa 100 mmHg und Pd 78 mmHg. Welches Druckverhältnis ergibt sich?
Take-aways
- FFR ist ein Druckverhältnis unter maximaler stabiler Hyperämie, keine direkte Prozentstenose.
- iFR wird ohne induzierte Hyperämie in einer definierten diastolischen Phase ermittelt.
- Ein grenznaher Zahlenwert ohne Qualitätskontrolle ist keine belastbare Entscheidungsgrundlage.
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