Antwortmuster: A–H, A–A–H und Pseudo-V–A–A–V
Das Rückkehr-His entscheidet, nicht die sichtbare Reihenfolge — die beiden klassischen Pseudo-VAAV-Fallen.
13 Min. Lesezeit
Lernziele
- Ich kann ab dem letzten tatsächlich getriebenen A die Antwort als A–H oder A–A–H klassifizieren.
- Ich kann die beiden klassischen Pseudo-V–A–A–V-Konstellationen erkennen und auflösen.
- Ich kann begründen, warum das Rückkehr-His und nicht die sichtbare Signalreihenfolge über die Zuordnung entscheidet.
- Ich kann die dokumentierte Ausnahme benennen, bei der eine AVNRT ein echtes A–A–H erzeugt.
Nach gültigem ventrikulärem Overdrive-Pacing stellt sich eine einzige Frage: Kommt nach dem letzten getriebenen Vorhofsignal zuerst ein His-Signal oder zuerst ein weiteres A? Die Antwort trennt die atriale Tachykardie von den beiden AV-abhängigen Mechanismen — vorausgesetzt, man zählt richtig.
Die Zählregel
Gezählt wird ab dem letzten tatsächlich getriebenen A. Nicht ab dem letzten Stimulus, nicht ab dem ersten A, das man nach dem Stimulus sieht.
| Antwort | Oberflächenbild | Klassische Zuordnung |
|---|---|---|
| A–H | V–A–V | AVNRT oder AVRT |
| A–A–H | V–A–A–V | atriale Tachykardie |
Darstellung anpassen
Für die Zuordnung ist das echte Rückkehr-His-Signal maßgeblich, nicht der Oberflächen-QRS. Genau daran scheitern die beiden folgenden Fallen.
Die beiden Pseudo-V–A–A–V
Darstellung anpassen
Falle 1: SA ist länger als die PCL
Braucht der Stimulus länger zum Vorhof als die PCL, überholt die Antwort auf den vorletzten Stimulus zeitlich den letzten Stimulus. Das erste sichtbare A nach S0 gehört dann noch zu S−1.
Gegenmittel: S→A bis in die laufende Stimulation zurückverfolgen. Jedes getriebene A muss seinem Stimulus zugeordnet werden, bevor gezählt wird.
Falle 2: HA ist kürzer als HV
Ist die retrograde Leitung zum Vorhof schneller als die antegrade zum Ventrikel, liegt das Rückkehr-His vor dem zweiten A. Auf der Oberfläche sieht man V–A–A–V, intrakardial ist die Antwort A–H.
Gegenmittel: HA und HV am Rückkehrschlag direkt vergleichen. HA < HV spricht für Pseudo-VAAV.
Und die Gegenrichtung? Eine echte Doppelantwort über schnelle und langsame Bahn oder ein unterer gemeinsamer Leitungsblock kann bei fast-slow AVNRT ein echtes A–A–H erzeugen (Kaneko et al. 2017). Das Kriterium ist damit in beide Richtungen nicht absolut und gehört in den Kontext der übrigen Manöver.
Entscheidungsgang am Rückkehrschlag
- Letztes tatsächlich getriebenes A identifizieren — S→A zurückverfolgen.
- Prüfen: SA > PCL? Dann gehört das erste A nach S0 noch zum vorletzten S.
- Erstes Rückkehr-H markieren.
- Prüfen: HA < HV? Dann liegt das H vor dem zweiten A — Antwort A–H.
- Erst jetzt A–H oder A–A–H benennen und mit den quantitativen Größen (PPI−TCL, SA−VA, ΔHA) zusammenführen.
Mini-Quiz
1 / 3Nach dem letzten Stimulus S0 erscheint ein A bei 55 ms, dann ein A bei 415 ms, dann H bei 480 ms. Die PCL betrug 360 ms, SA misst 415 ms. Wie lautet die Antwort?
Take-aways
- Gezählt wird ab dem letzten tatsächlich getriebenen A — nicht ab dem letzten Stimulus und nicht ab dem ersten sichtbaren A.
- A–H (V–A–V) spricht für AVNRT oder AVRT; A–A–H (V–A–A–V) klassisch für eine atriale Tachykardie.
- Pseudo-VAAV Nr. 1 - SA > PCL - das erste A nach dem letzten S gehört noch zum vorletzten S.
- Pseudo-VAAV Nr. 2 - HA < HV - das Rückkehr-His liegt vor dem zweiten A; die tatsächliche Antwort ist A–H.
- Ausnahme in beide Richtungen - FP/SP-Doppelantwort oder unterer gemeinsamer Leitungsblock kann bei fast-slow AVNRT ein echtes A–A–H erzeugen.
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