CourseKardio Beta

STEMI, equivalents & Sgarbossa

Localisation, De-Winter, Wellens, left main, Sgarbossa-Smith.

10 min read

Learning objectives

  • Sie ordnen einen STEMI nach EKG-Lokalisation einem Versorgungsgebiet zu.
  • Sie erkennen die wichtigsten STEMI-Äquivalente (De-Winter, Wellens, isolierter posteriorer MI, Hauptstamm).
  • Sie wenden die Sgarbossa-Smith-Kriterien beim LSB / ventrikulären Schrittmacher korrekt an.

STEMI-Lokalisation und Gefäßzuordnung

LokalisationAbleitungenWahrscheinliches Gefäß
AnteroseptalV1–V3LAD proximal/septal
Anterior/anterolateralV1–V6, I, aVLLAD (proximaler bei I/aVL-Beteiligung)
Lateral hochI, aVLRCX, Diagonalast (D1)
InferiorII, III, aVFRCA (~80–90 %), RCX (~10–20 %)
PosteriorV7–V9 (Hebung); V1–V3 (reziproke Senkung + hohes R)RCX oder RCA (PDA)
RechtsventrikulärV3R/V4RRCA proximal

Tipp inferior: ST↑ III > II → eher RCA. ST↑ II ≥ III oder fehlende reziproke ST↓ in I/aVL → eher RCX.

STEMI-Äquivalente und weitere Hochrisikomuster ohne klassische ST-Hebung

  • De-Winter-T-Wellen: aszendierende ST-Senkung ≥1 mm präkordial mit hohen symmetrischen spitzen T-Wellen, oft kombiniert mit ST-Hebung in aVR. Stationäres Muster, kein Übergang in klassische ST-Hebung. Bedeutet: akuter proximaler LAD-Verschluss. Die 5. UDMI 2026 führt das Muster als Okklusionsmuster (STEMI-Äquivalent) → sofortige Reperfusion wie beim STEMI.
  • Wellens-Syndrom: kritische LAD-Stenose, nicht akut verschlossen. Patient meist gerade schmerzfrei mit gerade abgelaufenem Schmerzepisode. Typ A (~25 %): biphasische T in V2/V3. Typ B (~75 %): tief symmetrisch invertierte T in V2–V4. Niemals Belastungs-EKG. Nach ESC 2023 ein NSTE-ACS-Zeichen einer schweren proximalen LAD-Stenose → invasive Abklärung, sofort bei Very-high-risk-Merkmalen. Die 5. UDMI 2026 führt Wellens im passenden klinischen Kontext unter den Mustern, die einen Verschluss nahelegen (mögliches STEMI-Äquivalent).
  • Isolierter posteriorer MI: ST-Senkung V1–V3 mit hohen R-Wellen (R/S >1) und aufrechten T → bestätigen mit V7–V9. ESC 2023: Okklusionszeichen ohne ST-Hebung → sofortige Reperfusions-Triage wie beim STEMI.
  • aVR-Hebung ≥1 mm + diffuse ST-Senkungen in ≥6 Ableitungen → linker Hauptstamm bzw. 3-Gefäß-Ischämie. ESC 2023: Zeichen schwerer Ischämie (Mehrgefäß/Hauptstamm), v. a. bei hämodynamischer Instabilität → sofortige Reperfusions-Triage; nach 5. UDMI 2026 unspezifisch, kein STEMI-Äquivalent.

Sgarbossa-Kriterien (LSB oder ventrikulärer Schrittmacherrhythmus)

KriteriumOriginalSmith-modifiziert
Konkordante ST-Hebung ≥1 mm5 Punktepositiv
Konkordante ST-Senkung ≥1 mm in V1–V33 Punktepositiv
Diskordante ST-Hebung ≥5 mm2 Punkteersetzt durch ST/S-Ratio ≤−0,25 (diskordante ST-Hebung ≥ 25 % der Tiefe der vorausgehenden S-Zacke)

Original ≥3 Punkte: Spezifität 98 %, Sensitivität ~50 %. Smith-modifiziert (jedes Kriterium positiv): Sensitivität 91 %, Spezifität 90 % — heute bevorzugt. Anwendbar auch beim ventrikulär stimulierten Schrittmacher-EKG.

Merksatz: Wenn die diskordante ST-Hebung mindestens ein Viertel der Tiefe der vorausgehenden S-Zacke ausmacht (ST/S ≤ −0,25) — bei Ischämieverdacht Katheterlabor.

Mini-quiz

1 / 3

Welche Konstellation bei einem inferioren STEMI spricht eher für einen RCA-Verschluss?

Take-aways

  • Inferior: ST↑ III > II → eher RCA; ST↑ II ≥ III oder fehlende ST↓ in I/aVL → eher RCX.
  • De-Winter: STEMI-Äquivalent (5. UDMI 2026; Okklusion der proximalen LAD) → sofortige Reperfusion wie beim STEMI. Wellens: nach ESC 2023 NSTE-ACS-Zeichen einer schweren proximalen LAD-Stenose → invasive Abklärung (sofort bei Very-high-risk-Merkmalen); die 5. UDMI 2026 führt Wellens im passenden klinischen Kontext als mögliches STEMI-Äquivalent.
  • Smith-modifizierte Sgarbossa: ST/S-Ratio ≤−0,25 (diskordante ST-Hebung ≥ 25 % der Tiefe der vorausgehenden S-Zacke) statt 5-mm-Regel; Sensitivität 91 %, Spezifität 90 %.
  • aVR-Hebung ≥1 mm + diffuse ST-Senkungen ≥6 Ableitungen → linker Hauptstamm oder 3-Gefäß-Erkrankung.

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